Freiheit

Literatur ist (für mich) nichts Bestimmtes, es ist frei und eine Kunstform, die man sich so gestalten kann, wie man sie für sich mag.“ – irgendeine Person im Internet

Oft findet sich die Frage was Freiheit ist, und um besser und anschaulicher darüber sprechen zu können, wählte ich dieses Beispiel, das ich, wie „üblich“, in einer Kommentarsektion fand.

Kunst ist frei, pauschal gesagt, was bedeutet, dass Kunst alles darf, da werden mir zunächst wohl die meisten Menschen zustimmen. Farben, Steine, Buchstaben, digital, zweidimensional, plastisch, winzig, klein, groß, gigantisch, heiß, kalt, rund, spitz, kurzzeitig begrenzt, für die Ewigkeit bestimmt – scheiß egal. Kunst darf und kann das, Literatur hingegen nicht.

Literatur braucht einen wesentlich kleineren Rahmen, um als Literatur identifiziert zu werden, und das ist auch das Schlüsselwort für mich – Rahmen. Freiheit ist Rahmen gebunden und zwar IMMER.

Was ist das für ein Roman, dessen Seiten nur mit Blumen beklebt sind?  Was wäre das für ein Satz, in dem Farbflächen einige der Wörter ersetzen würden, oder man stelle sich einen Text vor, welcher nach jedem Satz die Sprache mit entsprechenden Schriftzeichen ändert. Es wäre definitiv nicht als Literatur zu erkennbar, als Kunst jedoch schon eher. (Das letzte Beispiel ist zugegeben möglicherweise diskusionswürdig, ich halte es jedoch für irrelevant, ob man nun Kunstworte liest, die man nicht versteht, weil sie für niemanden etwas bedeuten, oder ob man ein Schriftzeichen vor sich hat, das man nicht mal lesen kann, bzw ein Wort, das man zwar lesen, aber nicht verstehen kann, wie zb. einige Menschen das englische Wort „xertz“ zunächst nicht als Wort erkennen mögen.)

In Ihrem Rahmen ist Literatur natürlich wiederum erst mal frei, wie ein Vogel, doch auch dieser Vogel ist sicher nicht grenzenlos frei. Hier sehe ich persönlich auch den größten Fehler – zu glauben, dass Freiheit grenzenlos wäre. (Das Vöglein kann nicht zur Sonne fliegen oder durch Wände oder 10000 Meter tief ins Meer tauchen, weil es nur innerhalb des Rahmens frei ist, den die physikalischen Gesetzmäßigkeiten nun mal zulassen.)

Nimmt man sich nun zb. vor, ein Gedicht zu schreiben, mag man zunächst glauben man sei frei, doch tritt man einen Schritt zurück, erkennt man die Grenzen. Viele denken bei Gedichten zunächst an Verse und Reimschemata, Haus – Maus, Silben, und noch viele andere Dinge, die aber für die technische Umsetzung weniger wichtig sind. Diese Vorstellungen sind die ersten Anzeichen des Rahmens. Wenn man sich zb. einfach auf WordPress unter Gedicht/Gedichte anschaut, was da so fabriziert wird, neben den häufig falsch getaggten Beiträgen, die mit Gedichten an sich nicht das Geringste zutun haben, kann man schnell bemerken, wie gefangen die Menschen in ihren Vorstellungen darin sind, wie ein Gedicht auszusehen hat. Sie ordnen sich freiwillig Regeln unter, von denen sie glauben sie wären – jetzt fehlt mir leider der passende Begriff – richtig/nötig/wirklich/unabdingbar, obwohl sie niemand dazu zwingt. Sie tun es freiwillig und oft einzig und allein, weil sie glauben, dass es so sein müsste, bzw., weil sie keine andere Möglichkeit sehen/kennen. Das Ganze jetzt nochmal vereinfacht – Natürlich hat man durchaus die Freiheit, sich auszusuchen welches Reimschema, welche Worte man nun wählt, also welchen Rahmen man benutzt, indem Fall, die zur auswahlstehenden Möglichkeiten hingegen, als auch die Entscheidungen wiederum, sind nicht „frei“, weil sie von dem begrenzt werden, was man kennt, mag und kann, bzw einem der Verstand liefert, etc. pp, man kann ja auch nur die Worte benutzen, zu denen man Zugang hat, sei es durch das Gedächtnis, ein Lexikon oder Google.

Zu dem Zitat muss ich also sagen: Nein, Literatur ist nicht frei, Literatur ist zunächst auch nur ein Rahmen, und NEIN, man kann sie nicht so Gestalten, wie man sie für sich mag. Es müssen schon ausreichende Satzfetzen vorhanden sein, die visuelle Form ist ebenso entscheidend und das Ganze kann auch nur bis zu einem gewissen Grad abstrahiert sein, bis es zu Dada wird, die Literatur verlässt und in Kunst übergeht.

Zu oft setzten sich Menschen leider schon gedanklich Grenzen oder übernehmen die Vorstellung von jenen von Anderen und glauben sie wären wirklich, wohingegen sie höchstens „real“ zu nennen sind (Ich unterscheide absichtlich zwischen Wirklichkeit und Realität, um einfacher und schneller trennen zu können, mehr dazu hier), aber das ist ein anderes Thema, ebenso die Förderung solcher Verhaltensmuster in der Schule, ob und inwiefern Unfreiheit/Freiheit schlecht oder gut ist, das Bestreben nach Freiheit und welche Rolle Kreativität spielt. (An der stelle gleich dazu – Zwischen all den Menschen, die nur zwischen bekannten Möglichkeiten wählen können, weil sie bloß Zahnradteilchen im Getriebe sind, sind es diejenigen, die man kreativ nennt, die mehr vermögen und neue Möglichkeiten finden anstatt nur zu kopieren. Kreativität schafft also neue Freiheit, bricht Rahmen auf.)

Abschließend fasse ich nochmal zusammen: Grenzenlose Freiheit ist ein Mythos – Freiheit ist immer Rahmen gebunden – und – man selbst ist ein wesentlicher Faktor in der Frage nach dem Rahmen der eigenen Freiheit.

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Ein Gedanke zu “Freiheit

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