Kommunikation

Er gab kein Trinkgeld. Ich senkte den Kopf. Ich verließ den Laden und ging auf Abstand von ihm. Fremdschämen!

Er wollte mich Wiedersehen. Ich sagte ich weiß nicht. Ich war wohl noch zu überrascht und zu feige die Wahrheit zu sagen. Am nächsten Tag bekam er die Wahrheit schriftlich nachdem er nach einem weiteren Treffen fragte. Jemanden der immer wieder über Geld redet und nicht mal Trinkgeld gibt, will ich nicht Wiedersehen.“ – einer ist meiner

Mit seinen Mitmenschen zu reden ist wichtig, wichtiger als Beleidigt zu sein, wichtiger als sich zu schämen oder wütend zu werden, also wichtiger als den eigenen ersten Impulsen nachzugehen, die zB. verlangen seine Meinung über jemanden zum Negativen zu ändern. Es geht nicht darum zu akzeptieren was er tut, sondern darum zu erklären warum man die Handlung oder die Ansicht des Anderen für unter anderem peinlich, geizig, widersprüchlich, voreilig, verachtenswert, schändlich oder wie auch immer hält. Es geht darum dem Gegenüber zu verstehen zu geben, wie man selbst die Welt wahrnimmt, wie du die Welt mit deinen Augen siehst, ohne ihn gleich zu verurteilen. Das gibt dem Gesprächspartner nicht nur die Möglichkeit Dinge auf eine andere, vielleicht auch bessere, Weise wahrzunehmen, sondern auch die Chance sich zu ändern und auf dich einzugehen bzw dir entgegenzukommen. Diese Chance ist wichtig. Niemand kam so auf die Welt, wie er heute ist, und man kann nicht erwarten, dass alle gleich sofort richtig denken, handeln, oder die passenden Vorstellungen haben, grade wenn es, wie hier auch, um Beziehung geht. Noch schlimmer, als nicht darüber zu reden warum er das getan hat und wie er selbst seine Handlung wertet, wäre nur ihm gar nicht zu sagen warum man keine Lust mehr auf ihn hat. Wie sollte er sonst dazu lernen und seine, in deinen Augen, Fehler sehen?

Ich halte es also durchaus nicht für besonders ratsam sich sofort zum Fremdschämen hinreißen zu lassen, anstatt einfach gleich über alles zu reden, selbst wenn man der Meinung sein sollte, dass Trinkgeld geben eine ehrenvolle und lobenswerte Geste ist, und sollte sie, aus welchem Grund auch immer, ausgelassen werden, Schande über die ganze Familie bringt. Ist einem das Trinkgeld doch so wichtig, könnte man natürlich auch in Betracht ziehen es einfach selbst zu stellen, was auch verhindern würde das Lokal mit gesenktem Kopf verlassen zu müssen. Ich schätze ihm ist Geld wichtig und er möchte es nicht an jemanden (die Bedienung) verschwenden den er nicht kennt oder der vllt in seinen Augen etwas Falsch gemacht hat, was ich ja nicht beurteilen kann, da ich nicht mit ihm gesprochen habe. Und wenn er danach fragt, was ihr mit der Rechnung machen sollt, dann könnte das ein Test sein, um zu sehen ob du dich einladen lässt, was man als schmarotzen empfinden könnte, oder du selbst bezahlst. In meinen Augen eine Intepretationssache, aber egal was ihn dazu getrieben hat, mehr Kommunikation hätte von Anfang an Klarheit bringen können, sodass er weiß, dass über Geld reden nervig für dich ist und du es als Geizig wertest, wenn er kein Trinkgeld gibt. Man wird jedoch nie erfahren was dahinter steckt, wenn man nicht darüber spricht, und die Welt wird nicht zu einer besseren, wenn man nichts sagt, wartet und nicht versucht sie zu jener besseren zu machen.

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